Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

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Indie12
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Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Indie12 » 03.09.2018, 17:09

Hallo in die Runde,

ich wollte an dieser Stelle mal einen Pfeil, ääääh eine Lanze für Taper und Vorschaft in Kombination brechen.

Ich baue meine Pfeil aus heimischer Kiefer (Herkunftsnachweis vorhanden, da selbst gefällt) mit Vorschäften aus heimischer Walnuss (momentan aus Nachbars Garten).

Ich tapere die Schäfte vorn und hinten, verwende also einen Barreltaper. Dieser ermöglicht, neben all den anderen an anderer Stelle diskutierten Vorzügen, die ich bestätigen kann, das Gewicht des Pfeils trotz "Hartholz"-Vorschaft gering zu halten. Außerdem kann ich damit durch vorsichtiges Abnehmen von Material im Bereich des für den Spine nicht relevanten Tapers das Gewicht der Schäfte angleichen (gut, ist eine diffizile und teils langwierige Arbeit, aber Spaß macht´s auch :D ).

Durch den Vorschaft bleibt der Schaft trotz Dickenabnahme stabil. Ich habe den Eindruck, dass Walnuss geeignet ist, dem Pfeil genügend Bruchsicherheit zu geben, um auch mal einen "harten" Treffer abzukönnen.
Und dann der Hauptvorteil in meinen Augen: Wenn der Pfeil mal bricht, dann meist dort, wo die Kiefer des V-Spleißes endet, also an dem Punkt, an dem die Walnuss das erste Mal den vollen Pfeilschaft ausmacht. Das gibt mir die Möglichkeit, die Reste des Vorschafts vom Kiefernhauptschaft zu hobeln und einen neuen Vorschaft anzuspleißen, ohne den ganzen Pfeil neubauen zu müssen. Und der Spine, der ja hauptsächlich durch den Hauptschaft gewährleistet wird, bleibt dabei erhalten, was wiederum Arbeit spart. Das geht natürlich nicht endlos, irgendwann wird der Schaft dann doch an der falschen Stelle zu schwach, aber so 2-3 mal kann ich das machen.
Zur Selfnock-Verstärkung kommt hinten noch ein Streifen Walnuss rein. Da bricht nix mehr aus (außer bei einem Direkttreffer durch einen anderen Pfeil, aber die Nocke zeig mir mal, die das abkann).

Ich komme mit den auf diese Weise hergestellten Pfeilen super klar. Sie fliegen sauber und machen was her. Klar, die Herstellung dauert etwas länger als nur "Zusammenbauen" von Fertigschaft, Federn und Spitze, aber die Arbeit ist Teil des Hobbys und der Freude.

Nur die Nachsuche bei einem "Wiesentaucher" betreibe ich etwas länger als andere Schützen, bevor ich den Pfeil aufgebe ;D Aber da hilft ja besser treffen 8)

Das nur als kleine Entscheidungshilfe, falls jemand mit sich hadert, sich die Arbeit anzutun.

Viel Grüße

Martin

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Snake-Jo » 03.09.2018, 17:31

Indie12 hat geschrieben:
03.09.2018, 17:09
Und dann der Hauptvorteil in meinen Augen: Wenn der Pfeil mal bricht, dann meist dort, wo die Kiefer des V-Spleißes endet, also an dem Punkt, an dem die Walnuss das erste Mal den vollen Pfeilschaft ausmacht.
@Martin: Bei mir brechen die Schäfte aus Kiefer irgendwo im vorderen Kiefer-Bereich, aber meist nicht im Vorschaft und auch nicht an der Klebeverbindung. Diese hält das Mehrfache an Belastung aus, muss allerdings mittels langem Schwalbenschwanz (= V-Spleiß) gespleißt und mit Zwei_Komponenten-Kleber verklebt sein.

Ansonsten: volle Zustimmung, gute Idee. :)

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Ravenheart » 04.09.2018, 09:26

Ich habe eine Reihe Bambusschäfte, mit denen ich Qualitativ nicht zufrieden war. Ein Stück davon habe ich als (kurzen) Vorschaft an einen abgebrochenen Zedernschaft gespleißt (einfach diagonal...).
Ein harter Treffer steht noch aus, aber auch das macht einen guten Eindruck!
Bambus bricht ja selten quer hinter der Spitze ab, sondern spaltet sich eher längs auf, was nun wiederum Zeder nie macht... Meine Hoffnung ist, dass dies durch die Klebung verhindert wird, so dasss sich die positiven Eigenschaften beider Materialien addieren...

Rabe

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Ravenheart » 04.09.2018, 09:33

Folgenden Artikel habe ich kürzlich in einem anderen Forum geschrieben, da es hier gerade passt, auch für Euch:

Einen Vorschaft macht man i.d.R. aus einem von 4 Gründen:

1. Jagd. Der Vorschaft mit der Spitze SOLL sich lösen. Das ist durchaus sinnvoll bei der Jagd und wenn die Befiederung aufwändig ist. Wurde in der Steinzeit tlw. so gemacht.
Das angeschossene, flüchtende Wild "verliert" den Hauptschaft mit den (mühevoll beschafften und noch mühevoller geklebten) Federn, der mit einem neuen Vorschaft versehen sofort wiederverwendet werden kann. (Der Jäger hatte also wenige Hauptschäfte und mehrere Vorschäfte!)
Gleichzeitig reduziert sich die "Gefahr", dass das Wild die Pfeilspitze im Gesträuch herausreißt. So wird es durch die verbleibende Spitze stärker bei der Flucht beeinträchtigt.

2. Design. Besonders mit (sh.) Billiard-Spleiß gefertigte Schäfte sind sehr "handwerklich schön" (wenn man's mag...)

3. Reparatur. Ein abgebrochener - und damit zu kurzer - Pfeil wird wieder auf die benötigte Länge gebracht. (Dies ist bei mir der bevorzugte Anlass! Ich spleiße allerdings das SELBE Holz (Bruchreste-Verwertung) per Diagonalspleiß. Hält besser als vorher!)

4. Stabilitäts-Vorteil. Die meisten Pfeilbrüche finden unmittelbar hinter der Spitze statt. Schweres, aber härteres/zäheres Material in dem Bereich reduziert die Bruchgefahr, ohne das der Pfeil insgesamt viel schwerer wird.


Als Verbindungsarten kommen in Frage

a) Diagonalspleiß. (Die Länge der Fuge sollte mindestens 6 cm betragen. Die LAGE der Fuge muss (wie auch bei der natürl. Maserung) so gewählt werden, dass beim eingenockten Pfeil die nach vorn gerichtete Spitze des Spleißes OBEN liegt!

b) V-Spleiß.
Der Vorschaft wird zur V-Kimme, der Hauptschaft zum V-Keil. (man sieht es auch ander herum, aber das ist sicherheitstechnisch falsch!) Erfordert mehr Präzision bei der Herstellung, kommt dafür mit 3 cm Länge aus. Diese Version eignet sich (ungeklebt, nur durch eine Wicklung gehalten), auch für einen sich lösenden Vorschaft.
b1.) DoppelV-Spleiß, beide Teile sind sowohl Kimme als auch Keil. (Statt die Sägeschnnitte parallel auszuführen werden 2x Kimmen kreuzweise geschnitten oder gefräst). Sehr aufwändig ohne großen Vorteil. Lediglich die Klebefläche vergrößert sich leicht...

c) Billiard-Spleiß (vierfacher V-Spleiß). Erfordert ein Spezial-Fräsgerät, denn nur "perfekt" ausgeführt ist es wirklich schön und gerade.

d) Konus. Es gibt ein Spezialgerät, mit dem man passgenau einen zentrierten Konus (männl./weibl.) Fräsen kann. Diese Verbindung ist am unauffälligsten. Bei Verwendung gleicher Hölzer fast unsichtbar!

e) Zapfen und Tülle. Erfordert präzise zentriertes Bohren bzw. Fräsen. (Schwächste Verbindung, die zudem den zweithöchsten Aufwand bzw. Präzision erfordert. Nicht zu empfehlen.)

f) Dübel. Variante von e). In beide, Vor- und Hauptschaft, werden lineare Tüllen gebohrt, ein passgenauer Dübel verbindet beide Teile. Zur Erhöhung der Haltbarkeit kann man zusätzlich (NACH dem Bohren!) einen kurzen Diagonalspleiß anbringen (Spleißlänge der Bohrtiefe zugeben!). Besonders haltbare Materialien als Dübel bringen hingegen wenig Vorteil. (Ein Schaft bricht an der Außenschicht zuerst!). Einfacher als e). Ergänzt (s.u.):
f.1) Dübel = Vorschaft. In einen hohlen oder hohl gebohrten Hauptschaft wird ein 6 - 10 cm langer Dübel, der gleichzeitig die Pfeilspitze trägt, ein Stück weit eingeschoben. Der Hauptschaft ist am vorderen Rand gegen Ausbrechen gewickelt. Der Vorschaft ist evtl. auch nicht geklebt, sondern nur gesteckt und soll in der Beute verbleiben (vgl. oben, 1.).

Spleiße3.jpg
Hab ich was vergessen?


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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Ragnar_AT » 04.09.2018, 10:03

Ich glaube, die Variante <e> schon bei originalen Pfeilen amerikanischer Ureinwohner gesehen zu haben. Einen Link habe ich gerade nicht zur Hand.
Dort wurde allerdings ein Material mit entsprechend dickem Markkanal für den Hauptschaft verwendet, was die Arbeit entsprechend erleichtert.
Wer der Herde folgt, der sieht nur Ärsche.
Und findet sich am Ende im Schlachthof wieder.

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Indie12 » 04.09.2018, 11:09

Snake-Jo hat geschrieben:
03.09.2018, 17:31
Bei mir brechen die Schäfte aus Kiefer irgendwo im vorderen Kiefer-Bereich, aber meist nicht im Vorschaft und auch nicht an der Klebeverbindung. Diese hält das Mehrfache an Belastung aus, muss allerdings mittels langem Schwalbenschwanz (= V-Spleiß) gespleißt und mit Zwei_Komponenten-Kleber verklebt sein.
Mein V-Spleiß ist 8 cm lang und ich klebe mit meinem Lieblingskleber D3 Holzleim, bzw. Propellerleim. Ich würde aus den Bruchbildern auch nicht ablesen, dass der Leim versagt, zumindest nicht großflächig. Bei dem von mir oben beschriebenen Bruchverhalten würde ich eher daruaf tippen, dass bei einem harten Aufprall Spannungs- bzw. Druckspitzen in der Kimme (danke Rabe, nach dem Wort habe ich gesucht) entstehen. Die Brüche sind auch mehr oder weniger kurz und quer zur Pfeilrichtung (nix Auffasern/ Aufspalten der Einzelkomponenten), also m.E. nach typisch druckbedingt.

Achso, noch ein weiterer Vorteil des Tapers:

Die Pfeile lassen sich einfacher ziehen, dank der Verjüngung zur Spitze hin!

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Indie12 » 04.09.2018, 11:18

Ravenheart hat geschrieben:
04.09.2018, 09:33
Hab ich was vergessen?


Rabe
Vergessen nicht, würde ich sagen. Ich habe nur schon einmal eine Variante zum V-Spleiß gesehen (und mir vorgenommen, diese mal auszuprobieren, was bis heute nicht geschehen ist):

Der Vorschaft besteht dabei nicht aus einem einzelnen Stück, sondern aus zwei Leisten aus Vorschaftholz, jede so breit wie das Hauptschaftstück ist und halb so stark. Beidseitig des Keils des Hauptschafts angesetzt und auf Höhe der Kimme zusammengepresst und zum Vorschaft verleimt. Das könnte bei richtigem Vorgehen zu einer noch höheren Bruchsicherheit führen.

Hoffe das Vorgehen verständlich ausgedrückt zu haben.

Lässt sich beim Billardspleiß bestimmt auch so machen, wird natürlich immer schwieriger und den Kreuzkeil muss man immer noch hinbekommen.

Aber Billardspleiß ist eh nich für mich, weil dadurch ja meine geliebte Sollbruchstelle und damit die Wiederverwenbarkeit des Hauptschafts flöten geht.

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Ravenheart » 04.09.2018, 11:35

Jepp, korrekt, die "Spalt - und Spreizmethode" kenne ich. Ich bin aber skeptisch! Es entstehen dabei im Holz Spannungen, die nachträglich zu Längsrissen führen könnten...
"Ragnar_AT" hat geschrieben:Ich glaube, die Variante <e> schon bei originalen Pfeilen amerikanischer Ureinwohner gesehen zu haben.
Jepp, auch korrekt! Holunder- oder Rosenschösslinge (o.ä.) mit Innenzapfen als Dübel, aber nur EIN Hohlstab und der darin eingesteckte Stab ist länger und gleichzeitig der Vorschaft! Die Einsteckstelle in den Hauptschaft ist zusätzlich gegen Ausbrechen gewickelt.

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Re: Taper und Vorschaft: meine Pfeile, meine Erfahrungen

Beitrag von Ragnar_AT » 04.09.2018, 12:57

Da fällt mir eine nordamerikanische Variante ein, von nordwestlichen Stämmen, wenn ich mich recht entsinne.
Dort hat man den Vorschaft weggelassen, und die gleich Spitzen auf diese Art befestigt, um sie schnell tauschen zu können. Ich glaube, das war in einem VLog eines Amerikaners, der derartige Pfeile nachbaut. Da habe ich eben auch Bilder von Museumsexponaten gesehen. Leider habe ich ein schlechtes Link-Gedächtnis ... :(
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